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Aus dem Archiv: Deutschlandfunk zum Verkehr in den Alpen

Am 20. August 2007 hat der „Deutschlandfunk“ eine Radioreportage von Helmut Frei ausgestrahlt.

Frei hat die Eröffnung des Lötschbergtunnels zum Anlass genommen, um den Güterverkehr über die Alpen und die Infrastrukturprojekte in der Schweiz, aber auch den BBT unter die Lupe zu nehmen.

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Vorbereitungen zum Bau des Probestollens – Eisack bei Aicha     (Foto Leonhard Angerer) 

  

Im Zuge der Recherche hat sich Helmut Frei über Karl Fischer vom Logistik-Kompetenz-Zentrum in Prien am Chiemsee und den umwelt- und verkehrspolitischen Sprecher der SPD in Kiefersfelden, Stephan Helmstreit bis nach Wiesen vorgearbeitet, wo er mit Klaus Schuster, dem Sprecher der Bürgerinititiative STOP BBT gesprochen hat. All die genannten kommen in der Sendung ausführlich vor, so wie auch Hermine Graus, Gastwirtin aus Wiesen und BBT-Kritikerin.

Interessant auch der Teil in Freis Radioreportage, der sich mit der Alpentransitbörse beschäftigt, die von Alf Arnold vorgestellt wird.

Hier das Manuskript der Radioreportage des Deutschlandfunks

d-radiode-10807-helmut-frei-alpenverkehr-gotthard-brenner.pdf

Add comment Februar 26, 2008

Ortstermin Wiesen, 11. Juni 2007

Am 11. Juni 2007 fand in Wiesen die offizielle Werbeveranstaltung für das BBT-Projekt statt. Nach Waidbruck und Brixen war Wiesen die letzte Etappe der sog. „Informationsoffensive“ der Südtiroler Landesregierung, die als Antwort auf die „BBT-kritischen Informationsveranstaltungen“ der Transitinitiative und die Anti-BBT-Demo am 12. Mai 2007 in Brixen organisiert worden war.  Anbei ein Stimmungsbild von einem denkwürdigen Abend, der zugleich einen wichtigen Abschnitt in der Arbeit des Wipptaler Bürgerkomitees „STOP BBT“ markiert.

Ortstermin Wiesen, 11. Juni 2007

„Wir sind das Volk!“

von Markus Lobis, Fotos von Leonhard Angerer

Wiesen/Pfitsch am Abend des 11. Juni 2007. Vor der Festhalle stehen einige Frauen aus Wiesen, sie haben ihre Kinder mitgebracht, und halten Transparente in die Höhe: „STOP BBT“, „Steht zu Eurer Verantwortlichkeit“, „Pfitsch – BBT-freie Zone“ und „BBT – Bohren, Betonieren, Täuschen“. Am Dorfeingang, an den Scheunen, Fenstern und Balkonen hängen Transparente „Stop BBT“, oft von Kinderhand gemalt, mit Blumen und einer Sonne, die weiter über einem ungestörten Dorfidyll scheinen soll.

Landeshauptmann Luis Durnwalder kommt steigt aus seiner dunklen Dienstlimousine und geht zur Festhalle. Heute kommt er allein, die Schar von Ortsgrößen, SVP-Funktionären, Bürgermeistern und politischen Adabeis, die sonst den Landeschef bei seinem Erscheinen umringt, fehlt. Sarkastisch will Durnwalder von den Frauen hinter den Transparenten wissen, ob sie nichts Besseres zu tun hätten. Der Scherz kommt heute gar nicht gut an. Eine der Frauen antwortet lächelnd: „Wir haben eben mehr zu tun, als immer nur Eröffnungsbänder durchzuschneiden!“ Der Landeshauptmann grinst ostentativ und geht in den Saal.

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Ein etwas anderes Empfangskomitee für Luis Durnwalder 

In der Festhalle drängen sich die BürgerInnen. Die meisten aus Wiesen und dem Wipptal, aber auch Grüppchen von auswärts: Die Unterlandler von der ALU (Arbeitsgemeinschaft lebenswertes Unterland) sind da, Pusterer von der PPP (Plattform pro Pustertal), Brixner und Sterzinger, Bürger aus dem nahen Nordtirol, NO-TAV-Aktivisten aus Bozen, Trient und Rovereto. Durnwalder wird kaum beachtet, setzt sich zu den übrigen politischen Vertretern in der ersten Reihe. Direkt daneben halten mutige Bürger aus Wiesen ihre Transparente hoch, auch auf den T-Shirts vieler Anwesender steht: STOP BBT!

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Ein voller Saal in Wiesen - die BürgerInnen wollen konkrete Antworten

Wenig später tritt der Moderator ans Rednerpult und verkündet, dass die Einladung zur Informationsveranstaltung zum Brenner-Basistunnel von der Landesregierung und der BBT SE ausgesprochen worden sei. Auf der Homepage des BBT-Infopoints scheint allerdings die Gemeinde Wiesen/Pfitsch als Gastgeber auf. Ein kleines, aber relevantes Detail: Umsonst hatte sich die Bürgerinitiative „STOP BBT“, die den Rückhalt des übergroßen Teils der BürgerInnen von Wiesen/Pfitsch hat, darum bemüht, BBT-kritische Fachleute und Redner auf das Podium zu bringen. Vergebens, wie so oft werden auch bei der BBT-Debatte grundlegend demokratische Regeln missachtet. Das Podium besteht nur aus BBT-Befürwortern. Aus Politikern der Südtiroler Volkspartei, aus Ingenieuren, Managern und Beamten die für das BBT-Projekt arbeiten.Es beginnt die – wie es später es aus dem Saal schallt­ – „Propagandaveranstaltung“, „eine Art Tupperware-BBT-Party“. Nacheinander sprechen BBT-Österreich-Geschäftsführer Konrad Bergmeister, BBT-Italien-Geschäftsführer Ezio Facchin, Walter Huber von der Landesumweltagentur, EU-Parlamentarier Ebner und zuletzt Durnwalder.Bergmeister ist eloquent und souverän, spitzt seine Aussage zu: Der BBT sei wichtig, um Verlagerung zu erreichen. Er sagt aber auch sehr deutlich, dass dazu ein entsprechender ordnungspolitischer Rahmen geschaffen werden muss. Irgendwann entschlüpft Bergmeister der Halbsatz: „Ja wenn der Tunnel überhaupt gebaut wird.“ Hören die Politiker diese Aussagen überhaupt?

Facchin erregt den Unmut der ZuhörerInnen. Er spricht leise, undeutlich und gelangweilt bringt er sein Statement vor und zeigt Bilder, auf denen man kaum was erkennen kann. Huber stellt kurz die Umweltbeobachtungsstelle vor, die aus lauter linientreuen Bürgermeistern und Beamten besteht – überzeugte Fachleute klingen anders.

Danach tritt EU-Parlamentarier Michl Ebner (SVP) ans Pult und eröffnet seine Rede mit einem jovial-großherzigen vorgebrachten „Guten Abend, liebe Landsleute“. Ein gellendes Pfeifkonzert ist die Antwort. Ebner gibt sich weltläufig und spricht davon, dass der Tunnel gebaut werden müsse, dass Südtirol zu klein sei, um sich dagegen wehren zu können, es werde eben anderswo über diese wichtigen Infrastrukturen entschieden. Am Ende seiner Ausführungen klatschen nur wenige ZuhörerInnen im Saal, über 400 pfeifen und buhen Ebner aus. Die Stimmung ist gereizt.Dann der Auftritt von Durnwalder in gewohnter Lautstärke, die Tunnel-Gegner kanzelt er als Fundamental-Neinsager ab. Er redet erst wie ein guter Vater zu trotzigen Kindern, dann – nach ersten Unmutsäußerungen aus dem Publikum – wie ein zorniger Patriarch zu unbotmäßigem Nachwuchs.

Einleuchtende Begründungen für den Tunnel oder Zusicherungen, dass dieser wirklich den Verkehr reduziert, kann er nicht liefern: Der Tunnel muss halt gebaut werden und basta!

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Schwache Argumente – laute Stimme: Überzeugungsarbeit à la Luis Durnwalder

Die Pfiffe und Buhrufe irritieren ihn sichtlich, bringen ihn aus seinem Konzept, Durnwalder verstrickt sich in Details. Mit Mühe bringt er seine Rede zu Ende. Waren schon die einige Tage vorher durchgeführten Pro-BBT-Veranstaltungen in Waidbruck und Brixen kein Honigschlecken für Durnwalder gewesen, so ist der heutige Abend ganz und gar nicht nach dem Geschmack des Landeshauptmanns: Er muss erkennen, dass nicht ganz Südtirol aus braven Untertanen besteht, sondern dass die „Landsleute“ beginnen, ihre ureigenen BürgerInnenrechte einzufordern und klar zu sagen: „Wir sind das Volk!“

Add comment Februar 6, 2008


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