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Interessante Verkehrstagung in Brixen | Innovativer Zugang zur Verkehrs- und Raumplanung
Am 5. (Nachmittag) und 6. September (Vormittag) findet in Brixen eine hochkarätig besetzte Tagung zur Verkehrspolitik und zu Großprojekten im Verkehrswesen statt. Namhafte Fachleute aus der Verkehrs- und Raumplanung treffen auf Praktiker aus Umwelt- und Verkehrsorganisationen und einen Logistikfachmann. Ein bekannter Aufdeckungsautor berichtet über unapettitliche Hintergründe beim Bau von Verkehrsinfrastrukturen in Italien.
Bei der Tagung, die am Nachmittag des 5. und am Vormittag des 6. September stattfinden wird, werden Prof. Knoflacher und Prof. Emberger von der TU Wien einen Überblick über innovative Verkehrs- und Raumplanung geben, Alf Arnold und Toni Aschwanden von der Alpen-initiative die Schweizer Verkehrspolitik und die Alpentransitbörse vorstellen und David Gulda von BERGER Logistik wird uns sagen, was die Transportwirtschaft in den Alpen wirklich braucht. Prof. Ivan Cicconi wird die weitgehend unapettitlichen Hintergründe großer Infrastrukturvorhaben in Italien ausleuchten.
Die von Sepp Kusstatscher angeregte Veranstaltung wird von der Fraktion der Grünen/EFA im EU-Parlament unterstützt und vom TEAM Sepp Kusstatscher MEP in Zusammenarbeit mit der Transitinitiative Südtirol und der Cusanus Akademie in Brixen organisiert.
Mitglieder der Grünen und von Umweltschutz-Organisationen und verkehrskritischen Organisationen erhalten einen Nachlass von 50 % auf die Teilnahmegebühr.
Alles weitere finden Sie hier:
- Programm und Referenten
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- Anmeldeunterlagen
anmeldeformular-verkehrstagung-modulo-di-iscrizione-seminario-sui-trasporti
Add comment August 6, 2008
Sender Bozen sendet Käse | Befehl aus dem Landhaus eins?
Ärgerlich und unprofessionell!
BBT-Propaganda im Sender Bozen
In regelmäßigen Abstanden versuchen Südtirols mächtige BBT-Befürworter Jubelmeldungen von der Großbaustelle zu lancieren und wollen damit den Eindruck erwecken, der BBT sei bereits eine beschlossene Sache und die Entwicklung unumkehrbar.
Wahltaktische Überlegungen als Triebfeder
Damit wollen sie in erster Linie erreichen, dass sich in der kritischen Bevölkerung Resignation breit macht und dass das bevölkerungsfeindliche und undemokratische Vorgehen der Landesregierung in Sachen BBT bis zum Wahltermin im Herbst „vergessen“ wird.
Südtiroler Medien spielen immer wieder mit
Einflussreiche Südtiroler Medien machen dieses Spiel immer wieder mit und unterstützen damit die Verbreitung von Propaganda und Falschmeldungen. So konnte man der Tagesschau des Senders Bozen vom 20. März entnehmen, dass neben den Arbeiten für den Probestollen von Aicha nach Mauls nun auch bereits ein Stollen südwärts von Aicha in Angriff genommen wird, der benötigt wird, um das Aushubmaterial für „den Bau des BBT“ (Zitat Sender Bozen) in das Riggertal transportieren zu können.
Und wo ist der Baubeschluss?
An keiner Stelle im Bericht wird die Information übermittelt, dass es noch keinen Baubeschluss für den BBT gibt und dass es folglich passieren kann, dass diese mit Steuergeldern finanzierten und landschaftszerstörenden Arbeiten umsonst gemacht werden, wenn es – aus welchen Gründen auch immer – nicht zum Bau des BBT kommen sollte. Huber kann ungestört Falschmeldungen verbreiten An einer anderen Stelle im Bericht kann „Mister BBT“ Walther Huber unwidersprochen behaupten, dass „die EU bereits eine Finanzierung in Höhe eines Drittels der Kosten bis 2013 gewährt hat“.
Dies ist eine glatte Falschaussage, die ein Journalist als solche entlarven müsste. Denn die EU-Kommission hat eine Finanzierung in Aussicht gestellt, zu der TEN-Koordinator Karel van Miert bei seinem letzten Besuch in Sterzing klar und unmissverständlich gesagt hat, dass sie wieder zurückgezogen werde, wenn die Regierungen von Italien und Österreich nicht in absehbarer Zeit konkrete Finanzierungsbeschlüssen fassen. Weder in Österreich, noch in Italien gibt es zur Zeit konkrete administrative oder gesetzgeberische Verfahren, die in diese Richtung weisen, wenn man davon absieht, dass im Finanzierungsgesetz in Italien einige BBT-Posten eingefügt wurden und bei den größten Brocken angefügt wurde, dass die Finanzierung noch offen ist.
Im österreichischen Generalverkehrsplan bis 2014 scheint der BBT gar nicht auf und um Schüssels Gerede von einer Sonderfinanzierung ist es vor allem seit der Grundsatzzusage zum Bau des Koralmtunnels sehr, sehr still geworden.
Und wenn wir schon mal beim Jubeln sind…
Nur logisch, dass im Bericht des Senders Bozen auch gleich eine Lobpreisung des sog. „BBT-Infopoints“ mitgeliefert wird. Ohne eine kritische Frage des Journalisten befürchten zu müssen, kann der von der Landesregierung ohne Auswahlverfahren berufene Leiter der Infostelle sein segensreiches Wirken anpreisen und darauf verweisen, dass die Informationen, die von der BBT-Baugesellschaft kommen, von einem „wissenschaftlichen Fachbeirat“ geprüft würden, dem 11 Fachleute angehören“ (Zitat Ausserdorfer).
Mit keinem Wort erwähnt der Berichterstatter, dass in diesem hochlöblichen Fachbeirat kein einziger unabhängiger Fachmann sitzt, sondern dass lauter willfährige SVP-Exponenten, bzw. Mehrheitspartner und weisungsgebundene Beamte von der BBT-freundlichen Landesregierung in das Gremium berufen wurden und dass – im Gegensatz zu den Gepflogenheiten bei den Baustellen in der Schweiz – in Südtirol kein Gremium besteht, in das auch projektkritische Organisationen und Initiativen VertreterInnen entsenden.
Oft ausgewogen und neutral, dann aber immer wieder Propaganda
Der Sender Bozen der Rai hat in Sachen BBT sehr oft ausgewogen und professionell berichtet. Es hat sogar einmal Zeiten gegeben, in denen bei BBT-Berichten auch kritische Stimmen zu Wort gekommen sind. Es fällt aber auf, dass immer wieder regelrechte Propagandaberichte gesendet werden, die auffallend häufig vom selben Journalisten gestaltet werden.
Appell an den Sender Bozen
Wir appellieren an die Chefredaktion und an die journalistischen Gremien im Sender Bozen, gerade in Zusammenhang mit dem politisch höchst sensiblen Thema „BBT“ besondere journalistische Sorgfaltspflicht walten und sich nicht von den mächtigen Interessen vereinnahmen zu lassen, die hinter diesem aus unserer Sicht äußert fragwürdigen Projekt stecken.
Transitinitiative Südtirol/Sudtirolo
Markus Lobis, Sprecher
Add comment März 21, 2008
Zu wenig los auf der Autobahn? Grisenti will nachts mehr LKWs
Grisenti trifft LKW-Lobby
„Zuckerl“ für die Frächter?
Wie Medienberichten zu entnehmen ist, hat Autobahnpräsident Grisenti bei einem Treffen mit der regionalen LKW-Lobby angekündigt, durch ein flexibles Maut-Modell nachts fahrende LKW finanziell begünstigen zu wollen.
Während alpenweit immer wieder Nachtfahrverbote gefordert werden und in Nordtirol und in der Schweiz gelten, will der dynamische Präsident seine liebsten Kunden auf dem Rücken der Anrainer der Autobahn hofieren und den Lärm und die Abgasentwicklung der ca. 8.000 LKW pro Arbeitstag, die die Brenner-Autobahn befahren, in die Nachstunden hinein strecken.
Es ist erwiesen und müsste sich schon bis in die Autobahndirektion in Trient durchgesprochen haben, dass die Auswirkungen der Abgasemissionen in den Alpentälern vor allem im Winter in den Nachtstunden überproportionale Belastungen und Grenzwertüberschreitungen verursachen. Diese Phänomene und Wirkungszusammenhänge sind wissenschaftlich eindeutig erforscht und belegt und wurden von der EU-Kommission im Zuge der Einführung des Nachtfahrverbotes im Bundesland Tirol als wissenschaftlich einwandfreie Begründung akzeptiert. Auch die Schweiz hat zur Untermauerung des eidgenössischen Nachtfahrverbotes breit angelegte Studien durchführen lassen, die diese Erkenntnisse bestätigen, die von der EU-Kommission nicht bestritten werden.
Die Stickoxydbelastung an der Autobahn überschreitet schon seit geraumer Zeit im Jahresmittelwert die von EU-Kommission festgelegte Warnschwelle von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter in drastischem Masse.

Messergebnisse von der Brenner-Autobahn (Schrambach und Neumarkt) Man beachte: Der EU-Warnwert für Stickoxyde liegt bei 40 Mikrogramm/m3!
Dieser Wert soll 2010 als Grenzwert eingeführt werden und es ist absehbar, dass an der Brenner-Autobahn auch weiterhin Messwerte erhoben werden die bis zum dreifachen des Warnwertes und späteren Grenzwertes reichen werden.
Da die EU-Kommission bereits heute vorschreibt, dass bei Überschreitungen des Warnwertes Maßnahmen und Pläne ausgearbeitet werden müssen, die zu einer Verringerung der Belastung führen und die von Grisenti zwecks Steigerung der Autobahnkapazität angestrebte Verlagerung des Schwerverkehr eindeutig und wissenschaftlich abgesichert diesen EU-Vorschriften entgegenläuft, kündigt die Transitinitiative Südtirol/Sudtirolo eine Beschwerde bei der EU-Kommission an, wenn Grisentis Pläne bezüglich Mautvergünstigungen in den Nachtstunden umgesetzt werden sollten.
Transitinitiative Südtirol/Sudtirolo
Markus Lobis, Sprecher
1 comment Februar 15, 2008
Der BBT aus verkehrsplanerischer Sicht | Vortrag von Prof. Knoflacher (17.4.07 Sterzing)
Prof. Hermann Knoflacher braucht den Lesern dieser Seiten wohl nicht mehr vorgestellt werden. Der unkonventionelle und provokante Verkehrsplaner, Leiter des Instituts für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der Technischen Universität Wien, hat in den letzten Jahren immer wieder zum Thema BBT Stellung genommen.

Prof. Hermann Knoflacher – hier mit seinem „Gehzeug“ in Wien, mit dem er in einprägsamer Weise auf die Privilegierung des Automobils im städtischen Verkehr aufmerksam gemacht hat (Foto: TU Wien)
Interessierte finden unter www.markus-lobis.blog.de („Knoflacher“ in die Suchmaske eintippen) verschiedene Artikel über Prof. Knoflacher und seinen innovativen verkehrsplanerischen Ansatz.
Auf Einladung der Transitinitiative Südtirol/Sudtirolo und mit finanzieller Unterstützung durch Sepp Kusstatscher MEP und die Fraktion der Grünen im EU-Parlament hat sich Prof. Knoflacher am 16. und 17. April des Vorjahres in Brixen und in Sterzing mit der Themenstellung „Der BBT aus verkehrsplanerischer Sicht“ auseinandergesetzt und schlüssig dargelegt, dass das Monsterprojekt aus verkehrsplanerischer Sicht nicht begründet werden kann.
Der sehr fundierte und gut illustrierte Vortrag wurde am 17. April 2007 im Sterzinger Stadttheater von der Transitinitiative mitgeschnitten und transkribiert. Die Transkription wurde von Prof. Knoflacher in der Folge freigegeben und stellt ein wichtiges Basisdokument zur Bewertung des Brenner-Basistunnel-Projekts dar. Anbei die Transkription (PDF, 2,1 MB):
knoflacher-vortrag-sterzing-17-4-07-endfassung.pdf
Die Ausführungen von Professor Knoflacher unterstreichen die Aussagen, die immer wieder von BBT-Kritikern vorgebracht werden und die davon ausgehen, dass der BBT in erster Linie ein Riesen-Geschäft für Baukonzerne und Banken darstellt und dass die verkehrspolitische Bedeutung des BBT-Projektes lediglich als politisches Deckmäntelchen für das Riesen-Business herbeigeredet wird.
Add comment Februar 11, 2008
Ortstermin Wiesen, 11. Juni 2007
Am 11. Juni 2007 fand in Wiesen die offizielle Werbeveranstaltung für das BBT-Projekt statt. Nach Waidbruck und Brixen war Wiesen die letzte Etappe der sog. „Informationsoffensive“ der Südtiroler Landesregierung, die als Antwort auf die „BBT-kritischen Informationsveranstaltungen“ der Transitinitiative und die Anti-BBT-Demo am 12. Mai 2007 in Brixen organisiert worden war. Anbei ein Stimmungsbild von einem denkwürdigen Abend, der zugleich einen wichtigen Abschnitt in der Arbeit des Wipptaler Bürgerkomitees „STOP BBT“ markiert.
Ortstermin Wiesen, 11. Juni 2007
„Wir sind das Volk!“
von Markus Lobis, Fotos von Leonhard Angerer
Wiesen/Pfitsch am Abend des 11. Juni 2007. Vor der Festhalle stehen einige Frauen aus Wiesen, sie haben ihre Kinder mitgebracht, und halten Transparente in die Höhe: „STOP BBT“, „Steht zu Eurer Verantwortlichkeit“, „Pfitsch – BBT-freie Zone“ und „BBT – Bohren, Betonieren, Täuschen“. Am Dorfeingang, an den Scheunen, Fenstern und Balkonen hängen Transparente „Stop BBT“, oft von Kinderhand gemalt, mit Blumen und einer Sonne, die weiter über einem ungestörten Dorfidyll scheinen soll.
Landeshauptmann Luis Durnwalder kommt steigt aus seiner dunklen Dienstlimousine und geht zur Festhalle. Heute kommt er allein, die Schar von Ortsgrößen, SVP-Funktionären, Bürgermeistern und politischen Adabeis, die sonst den Landeschef bei seinem Erscheinen umringt, fehlt. Sarkastisch will Durnwalder von den Frauen hinter den Transparenten wissen, ob sie nichts Besseres zu tun hätten. Der Scherz kommt heute gar nicht gut an. Eine der Frauen antwortet lächelnd: „Wir haben eben mehr zu tun, als immer nur Eröffnungsbänder durchzuschneiden!“ Der Landeshauptmann grinst ostentativ und geht in den Saal.

Ein etwas anderes Empfangskomitee für Luis Durnwalder
In der Festhalle drängen sich die BürgerInnen. Die meisten aus Wiesen und dem Wipptal, aber auch Grüppchen von auswärts: Die Unterlandler von der ALU (Arbeitsgemeinschaft lebenswertes Unterland) sind da, Pusterer von der PPP (Plattform pro Pustertal), Brixner und Sterzinger, Bürger aus dem nahen Nordtirol, NO-TAV-Aktivisten aus Bozen, Trient und Rovereto. Durnwalder wird kaum beachtet, setzt sich zu den übrigen politischen Vertretern in der ersten Reihe. Direkt daneben halten mutige Bürger aus Wiesen ihre Transparente hoch, auch auf den T-Shirts vieler Anwesender steht: STOP BBT!

Ein voller Saal in Wiesen - die BürgerInnen wollen konkrete Antworten
Wenig später tritt der Moderator ans Rednerpult und verkündet, dass die Einladung zur Informationsveranstaltung zum Brenner-Basistunnel von der Landesregierung und der BBT SE ausgesprochen worden sei. Auf der Homepage des BBT-Infopoints scheint allerdings die Gemeinde Wiesen/Pfitsch als Gastgeber auf. Ein kleines, aber relevantes Detail: Umsonst hatte sich die Bürgerinitiative „STOP BBT“, die den Rückhalt des übergroßen Teils der BürgerInnen von Wiesen/Pfitsch hat, darum bemüht, BBT-kritische Fachleute und Redner auf das Podium zu bringen. Vergebens, wie so oft werden auch bei der BBT-Debatte grundlegend demokratische Regeln missachtet. Das Podium besteht nur aus BBT-Befürwortern. Aus Politikern der Südtiroler Volkspartei, aus Ingenieuren, Managern und Beamten die für das BBT-Projekt arbeiten.Es beginnt die – wie es später es aus dem Saal schallt – „Propagandaveranstaltung“, „eine Art Tupperware-BBT-Party“. Nacheinander sprechen BBT-Österreich-Geschäftsführer Konrad Bergmeister, BBT-Italien-Geschäftsführer Ezio Facchin, Walter Huber von der Landesumweltagentur, EU-Parlamentarier Ebner und zuletzt Durnwalder.Bergmeister ist eloquent und souverän, spitzt seine Aussage zu: Der BBT sei wichtig, um Verlagerung zu erreichen. Er sagt aber auch sehr deutlich, dass dazu ein entsprechender ordnungspolitischer Rahmen geschaffen werden muss. Irgendwann entschlüpft Bergmeister der Halbsatz: „Ja wenn der Tunnel überhaupt gebaut wird.“ Hören die Politiker diese Aussagen überhaupt?
Facchin erregt den Unmut der ZuhörerInnen. Er spricht leise, undeutlich und gelangweilt bringt er sein Statement vor und zeigt Bilder, auf denen man kaum was erkennen kann. Huber stellt kurz die Umweltbeobachtungsstelle vor, die aus lauter linientreuen Bürgermeistern und Beamten besteht – überzeugte Fachleute klingen anders.
Danach tritt EU-Parlamentarier Michl Ebner (SVP) ans Pult und eröffnet seine Rede mit einem jovial-großherzigen vorgebrachten „Guten Abend, liebe Landsleute“. Ein gellendes Pfeifkonzert ist die Antwort. Ebner gibt sich weltläufig und spricht davon, dass der Tunnel gebaut werden müsse, dass Südtirol zu klein sei, um sich dagegen wehren zu können, es werde eben anderswo über diese wichtigen Infrastrukturen entschieden. Am Ende seiner Ausführungen klatschen nur wenige ZuhörerInnen im Saal, über 400 pfeifen und buhen Ebner aus. Die Stimmung ist gereizt.Dann der Auftritt von Durnwalder in gewohnter Lautstärke, die Tunnel-Gegner kanzelt er als Fundamental-Neinsager ab. Er redet erst wie ein guter Vater zu trotzigen Kindern, dann – nach ersten Unmutsäußerungen aus dem Publikum – wie ein zorniger Patriarch zu unbotmäßigem Nachwuchs.
Einleuchtende Begründungen für den Tunnel oder Zusicherungen, dass dieser wirklich den Verkehr reduziert, kann er nicht liefern: Der Tunnel muss halt gebaut werden und basta!

Schwache Argumente – laute Stimme: Überzeugungsarbeit à la Luis Durnwalder
Die Pfiffe und Buhrufe irritieren ihn sichtlich, bringen ihn aus seinem Konzept, Durnwalder verstrickt sich in Details. Mit Mühe bringt er seine Rede zu Ende. Waren schon die einige Tage vorher durchgeführten Pro-BBT-Veranstaltungen in Waidbruck und Brixen kein Honigschlecken für Durnwalder gewesen, so ist der heutige Abend ganz und gar nicht nach dem Geschmack des Landeshauptmanns: Er muss erkennen, dass nicht ganz Südtirol aus braven Untertanen besteht, sondern dass die „Landsleute“ beginnen, ihre ureigenen BürgerInnenrechte einzufordern und klar zu sagen: „Wir sind das Volk!“
Add comment Februar 6, 2008
LKW-Blockaden regen zum Nachdenken an
Der Krieg unter Armen, oder: Wem nützt der Transportwahnsinn?
(ML) Frächterchef Hans Erlacher steht der Stolz ins Gesicht geschrieben. Ein paar Tage LKW-Blockade und schon geht ein Land in die Knie und schmeißt den LKW-Unternehmen Steuervergünstigungen und Mautreduktionen in den Rachen. Diejenigen, die stets nur den LKW verteufeln, so der LKW-Lobbyist Erlacher, hätten nun gesehen, wie unabdingbar es ist, dass er und die seinen auf Teufel komm raus fahren.

Am Brenner geht’s rund – nur, wem nützt das? (Foto: Leo Angerer)
Nur: wem nutzt das? Die kleinen Frächter und Transportunternehmer nagen am Hungertuch und gehen eher heute als morgen in Konkurs, weil sie – so hören wir von Erlacher immer wieder – der Konkurrenz aus den Billigländern kaum mehr stand halten können. Das kommt davon: Wenn man überall uneingeschränkt fahren will, muss man auch uneingeschränkt fahren lassen.
Nutzt das aufopferungsvolle Bemühen der kleinen LKW-Unternehmer um noch liberalere und kostengünstigere Rahmenbedingungen dann zumindest „der Wirtschaft“? Nein, „der Wirtschaft“ ganz gewiss nicht. Den großen vielleicht, den Konzernen. Aber von denen hat niemand mehr was: Sie zahlen keine Steuern, betreiben Sozialdumping und Standortjumping, erpressen ganze Staaten. Sie lassen sich Neuansiedlungen fürstlich bezahlen, um dann ein paar Jahre an einem Ort zu bleiben, bevor sie an den nächsten Billigstandort weiterziehen. Und sie finden noch andere Großsponsoren: wir dummen Steuerzahler bezahlen ihnen auch noch ihre Betriebsmittel, als Dank dafür, dass sie die Arbeitsplätze der mittelständischen Wirtschaft vernichten, bzw. exportieren.
Während die klein- und mittelständische Wirtschaft jede Schraube selber bezahlen muss, können sich die Konzerne auf Steuermittel verlassen. Die von uns mit über 70% der tatsächlichen Kosten aus dem Steuersäckel bezahlten Autobahnen sind – so hat es Prof. Knoflacher formuliert – die Förderbänder der Konzerne. Über 70% der Transporte die weltweit durchgeführt werden, sind Transporte zwischen verschiedenen Konzernstandorten.
Dabei werden Rohmaterialien und Halbfertigwaren bzw. Produktkomponenten von Ort zu Ort gekarrt und es ist überhaupt kein Problem, wenn die einzelnen Verarbeitungsschritte an Standorten durchgeführt werden, die zig-tausende Kilometer voneinander entfernt liegen. Es ist auf jeden Fall billiger, den Krempel kreuz und quer durch die Welt zu fahren, als ihn einzulagern. Es ist absolut kein Vorteil mehr, komplexe Produktionsprozesse an möglichst wenigen Orten zu konzentrieren.
Klein- und mittelständische Unternehmen leiden unter dieser Entwicklung. Sie sind mit jedem Produkt jedes Produzenten an jedem Punkt der Welt in Konkurrenz und können gegen die Kolosse nur verlieren. Denn die Konzerne kriegen billiges Geld, zahlen kaum Steuern und „investieren“ viel in die Beziehungen in die Politik. Damit können sie die Spielregeln des Wirtschaftsalltages selbst bestimmen und arbeiten noch wirksamer in die eigenen Taschen.
„Die Wirtschaft“ gibt es nicht. Es gibt die Kolosse, die wertelosen, nur und ausschließlich am Profit orientierten Konzerne, die man nicht zu fassen kriegt, wenn man sie an ihre Verantwortung erinnern will. In allen Verfassungen Europas ist eine mehr oder weniger akzentuierte Sozialbindung des Kapitals festgeschrieben. Darüber setzen sich die Konzerne täglich hinweg.
Die klein- und mittelständische Wirtschaft ist auf einem Auge blind. Sie nimmt nicht wahr, dass sie von den Konzernen ausgesaugt wird oder bestenfalls ein paar Krümel des Wertschöpfungskuchens für sie übrig bleiben. Und auch das nur, solange diese Nische nicht von einem Großen als Geschäftsfeld entdeckt wird. Aber anstatt sich mit den Konsumenten, den Mitarbeitern, den Sozialpartnern und den Politikern zu verbünden und die Macht der Konzerne einzuschränken, lässt sich die klein- und mittelständische Wirtschaft unter dem Deckmantel einer diffusen „Wirtschaftsidentität“ und in unreflektierter Kollegialität von den Großen vor den Karren spannen.
Die klein- und mittelständische Wirtschaft betet jeden Montezemolo- und Piech-Schmarrn nach, der irgendwie nach Freiraum für die Wirtschaft klingt, ohne dabei zu bedenken, dass die schrankenlose Freiheit und die Subventionierung von Infrastrukturen, bzw. die mit Steuergeld mögliche Verbilligung der Transporte nur den Großen nutzt.
Auch im Transportgewerbe verhält es sich nach dieser Logik. Die Konkurrenten für die kleinen Erlachers und Co.s sind ja nicht kleine Sacharows und deren Partner sondern große Transportkonzerne aus dem Westen, die armen Schluckern aus dem Osten ihre LKWs verleasen und sie für einen Hungerlohn und unter Umgehung sämtlicher Sozialauflagen durch die Pampa jagen. Die großen Fische im Transportgewerbe interessiert ja der LKW nicht, mit dem soll fahren wer will, bzw. wer es am billigsten erledigt. Nur billig muss es sein. Denn die großen Transport-Fische kontrollieren die Waren und erpressen die padroncini und Erlacherlein: Wenn Du nicht zum Preis von X fährst, mein Lieber, dann fährt halt der X und nicht Du!
Hier wird ein Krieg unter Armen angezettelt, damit niemand drauf kommt, wer der wirklich große Abzocker ist. Erlacher und die seinen spüren den Druck und geben ihn weiter: Lieber Gustl, heißt es dann, wenn Du für mich fährst, wird das zu teuer, ich stelle jetzt den Slavko ein, der fährt um 1.000.- € im Monat. Eine Abwärtsspirale, bei der er nur Verlierer gibt!
Die big player reiben sich die Hände und Erlacher und die seinen schaffen es nicht mehr, die Kredite zurückzuzahlen, für die sie eh schon doppelt so viel Zinsen zahlen wie die Großen. Wie gesagt: Eine Abwärtsspirale ohne Ende.
Wann wir die klein- und mittelständische Wirtschaft endlich aufwachen?
Wir ökosozialen Transit- und Globalisierungsgegner stehen für gemeinsamen Erkenntnisgewinn und Kooperationen zur Verfügung, die die klein- und mittelständische Wirtschaft stärken, den Transportwahnsinn einschränken und den Umbau der Wirtschaftsweise in mehr ökosoziale Nachhaltigkeit fördern. Die klein- und mittelständische Wirtschaft sollte keine diesbezüglichen Berührungsängste haben, denn sie kann davon nur profitieren. Wäre das nicht eine Idee für die „Wirtschaftszeitung“, nächstens ein Forum zu organisieren, bei dem sich ökosoziale Ideen und die Bedürfnisse der klein- und mittelständischen Wirtschaft treffen?
Um die Bedürfnisse der „Großen“ brauchen wir uns ja alle nicht zu kümmern, oder?
Add comment Februar 4, 2008

